Riva-Runabout aus Mahagoni

Auf dem Wasser

RIEDEL Magazin, Ausgabe 03 Herbst 2025 | Text: Marcus Krall | Lesezeit: 5 Minuten

Postkarten-Optik und Urlaubsfeeling vor der Haustür: Der Starnberger See ist ein exzellentes Wassersport-Revier für gestresste Großstädter und eine der malerischsten Regionen Bayerns. Er liegt südwestlich von München und verdankt seinen Namen der gleichnamigen Stadt am Nordufer des Sees. Durch die Einwirkung von Gletschern in der Eiszeit entstanden, wartet er heute mit klarem Wasser, üppigen, grünen Ufern und den für die Region typischen sanften Hügeln sowie verschiedenen Freizeitaktivitäten auf.

Text: Marcus Krall

Hinweis zur Ausgabe

Dieser Beitrag stammt aus dem RIEDEL Magazin Herbst/Winter 2025/26. Angaben zu Genehmigungen, Wartezeiten, Bootsmodellen und technischen Daten entsprechen dem Stand der Ausgabe.

Klare Regeln auf dem See

Aufgrund seiner Nähe zur bayerischen Landeshauptstadt ist der Starnberger See ein beliebtes Freizeitziel. Kulturenthusiasten, Wanderer und Radfahrer verbringen gerne Zeit in der Gegend. Da der Starnberger See mit seiner atemberaubenden Aussicht auf die nahegelegenen Alpen sowie durch Trinkwasserqualität beeindruckt, wird er auch von Wassersportlern und Badegästen gern angesteuert.

Trotz seiner Beliebtheit – oder gerade deswegen – gibt es klare Regeln, um die Natur und die Erholungsmöglichkeiten für alle Interessenten zu schützen. Für Motorboote, die einen Verbrennungsmotor haben, ist beispielsweise eine Lizenz erforderlich – die Plätze sind jedoch auf 255 pro Jahr begrenzt, wobei das Angebot die Nachfrage um ein Vielfaches übersteigt. Es gibt Wartelisten, doch die Genehmigung kann tatsächlich bis zu 14 Jahre dauern, bis man sein Boot über den See steuern darf. Wer eine Lizenz ergattert, muss diese indes nach 5 Jahren auch wieder abgeben, um eine Rotation zwischen den Interessenten zu ermöglichen. Auch Segler mit Hilfsmotor über 4kW und Elektromotorboote benötigen eine Genehmigung, jedoch keine Lizenz.

Wer die Wartezeit oder auch Bürokratie vermeiden möchte, kann deshalb auf Mietangebote zurückgreifen, die rund um den See zur Verfügung stehen. Gleichwohl hat ein eigenes Boot auch immer seinen eigenen Charme. Deshalb lohnt sich ein Blick auf die Möglichkeiten, die einem der See bietet.

Trotz seiner Beliebtheit – oder gerade deswegen – gibt es klare Regeln, um die Natur und die Erholungsmöglichkeiten für alle Interessenten zu schützen.

Mit Macan-Antrieb oder klassischem V8

Schräg von oben aufgenommenes Elektro-Dayboat mit heller Holzbeplankung, das eine breite Schaumspur hinter sich herzieht.
Viele Automobilhersteller wagten schon den Sprung aufs Wasser, erfolgreich funktioniert hat es nur bei Porsche. Die Zuffenhausener implementierten den elektrischen Macan-Antrieb in ein Dayboat der österreichischen Frauscher-Werft.

Wer mit dem Gedanken spielt, sich ein Elektroboot zuzulegen, weil die Genehmigung für einen Verbrenner eben doch eine sehr langfristige Perspektive hat, der sollte sich die Frauscher x Porsche 850 Fantom Air anschauen, die ikonisches Design mit elektrischer Power vereint. Das 8,67 Meter lange Boot erreicht eine Höchstgeschwindigkeit von bis zu 90 km/h, bietet vier Fahrmodi und lädt dank Schnellladefunktion in unter 30 Minuten von 10 % auf 80 %. Inspiriert beziehungsweise technisch ausgerüstet ist sie von Porsche, im Heck steckt der marinisierte Antrieb des Macan.

Dunkles Aluminium-Motorboot mit festem Hardtop pflügt bei bewölktem Himmel durch bewegtes Wasser.
Wer eine der wenigen Verbrenner-Genehmigungen besitzt, macht mit den robusten Booten der schwedischen XO-Werft wenig falsch. Die DSCVR 9 erreicht mit 400 PS einen Topspeed von 50 Knoten, also fast 100 km/h.

Mit Benzinmotoren – eine der 255 Genehmigungen vorausgesetzt – und robuster Alu-Bauweise punktet die XO DSCVR 9 T-Top: ein vielseitiges 8,57-Meter-Boot mit Platz für acht Personen, bis zu 400 PS Leistung und rund 50 Knoten Spitze. Ein absoluter Klassiker ist selbstredend die Riva Aquarama, die auf dem See eine traditionelle, aber exzellente Figur macht: gebaut aus edlem Holz, fast 9 Meter lang und angetrieben von zwei V8-Motoren hat sie noch heute viele Fans – vor allem, da Rivas aus Mahagoni nicht mehr gebaut werden und Liebhaber-Preise erzielen. Eine klassische Riva mit einem Liegeplatz am Starnberger See mutet dabei wie ein „Wassersport-Jackpot“ an.

Nahaufnahme von Steuerrad, Rundinstrumenten und lackiertem Mahagoni-Armaturenbrett eines klassischen Motorboots.
Cockpit eines Mahagoni-Klassikers
Segelyacht mit weißem Groß- und Vorsegel kreuzt bei klarem Wetter, im Cockpit steht ein Segler am Steuerrad.
Segelyachten bis rund zehn Meter Länge sind auf dem Starnberger See gut einzusetzen.

Wer lieber lautlos und unter Segeln unterwegs ist, liegt beispielsweise mit der Bavaria Cruiser 34 richtig. Rund 9,10 Meter lang, solide gebaut und sogar hochseetauglich, ist das Boot aus Giebelstadt auf dem See angenehm unkompliziert zu handhaben. Genauso übrigens wie die kompaktere Hanse 315 des zweiten großen, deutschen Serienherstellers. Die Greifswalder Yacht überzeugt mit sportlicher Linie, Selbstwendefock und viel Segelfläche bei übersichtlichem Handling, was sie perfekt für kleinere Crews macht.

Wer es beim Segeln dagegen eher sportlich mag, der ist im Bayerischen Yacht-Club, einem der exklusivsten Yachtclubs Deutschlands, richtig aufgehoben. Hier werden zahlreiche Regatten in einheitlichen Bootsklassen (420er, Opti, J/70) veranstaltet, man kann das Segeln hier aber auch von Grund auf lernen.

Zwischen Sportgerät und stilvollem Klassiker

Salon einer Segelyacht mit heller Polsterbank, Holzausbau, Pantry und gedecktem Klapptisch.
Das Interior macht Übernachtungen vor Anker oder in der Marina möglich.
Luftaufnahme über türkisfarbenem, flachem Wasser, an dessen Ufer alte Bäume stehen, in der Mitte ein einzelner Stand-up-Paddler.
Der SUP-Trend hat auch den Starnberger See längst erreicht. Mit aufblasbaren Boards ist man flexibel, umweltschonend und auch noch sportlich unterwegs.

Immer häufiger sieht man auf dem Starnberger See Stand Up Paddle Boards wie das iGO 2025 SUP. Sie sind leicht, stabil und aufblasbar. Clevere Features wie Tragegriffe, faltbare Finne und Kajak-Option machen es vielseitig. Nicht fehlen für das perfekte Bild auf dem See dürfen die farbenfrohen Tretboote von Kay – oft zu sehen an Verleihstationen. Sie sind robust, einfach zu händeln und mit mittigem Steuerrad ausgestattet – fast wie Autofahren, nur auf dem Wasser.

Wer Wassersport nicht nur als Hobby, sondern als gemeinschaftliches Erlebnis sieht, findet am Starnberger See eine Vielzahl etablierter Vereine. Man sieht nicht nur Übungsjollen von Segelschülern, sondern auch rudersportliche Hightech-Schätze von Empacher und Filippi, die regelmäßig auf internationalem Parkett dominieren. Immer wieder fahren auch formschöne Ruderboote für den Breitensport im eleganten Klassik-Holzdesign, aber auch in moderner GFK-Bauweise, an einem vorbei. Am Starnberger See sind beispielsweise der Münchener Ruder- und Segelverein „Bayern” von 1910, der Münchener Ruder-Club von 1880 und der Tutzinger Ruderverein aktiv.

Wer Wassersport nicht nur als Hobby, sondern als gemeinschaftliches Erlebnis sieht, findet am Starnberger See eine Vielzahl etablierter Vereine.

Der Starnberger See bietet alles, was einen gelungenen Ausflug ausmacht: atemberaubende Natur, eine abwechslungsreiche Seenlandschaft, kulturelle Höhepunkte und ein breites Spektrum an Aktivitäten. Besonders auf dem Wasser lässt sich die Region intensiv erleben – sei es auf dem eigenen Segelboot, mit einer gemieteten Motoryacht oder – bei gleichzeitigem Workout – im Ruderboot.

Die Perspektive von RIEDEL

Wer am Starnberger See eine Immobilie sucht, fragt früher oder später nach dem Boot – und stößt dabei auf genau die Begrenzung, die dieser Beitrag beschreibt. Ein Liegeplatz am See ist knapper als der Wohnraum davor, und eine Verbrenner-Lizenz ist an die Person gebunden, nicht an das Haus. Wer beides zusammendenkt, sollte die Frage nach Steg, Liegeplatz und Genehmigung früh stellen, nicht erst nach dem Kauf.

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