Bootsmodell aus der Werft

Tradition trifft Leidenschaft

RIEDEL Magazin, Ausgabe 03 Herbst 2025 | Text: Marcus Krall | Lesezeit: 8 Minuten

Starnberg ist Heimat zahlreicher Werften und Refit-Betriebe. Dies sind die besten Adressen für Wassersport-Aficionados und solche, die es werden möchten.

Text: Marcus Krall

Hinweis zur Ausgabe

Dieser Beitrag stammt aus dem RIEDEL Magazin Herbst/Winter 2025/26. Angaben zu Betrieben, Beschäftigtenzahlen, Ausstattung und Angebot entsprechen dem Stand der Ausgabe.

Tradition, Handwerk und Leidenschaft

Werftgebäude aus Holz mit blauem Portalkran am Wasser, davor liegen Motorboote im Hafenbecken.
Bootswerft Rambeck am Nordufer

Wer am Nordufer, dem vielleicht angesagtesten Teil des Starnberger Sees, entlangfährt, stößt unweigerlich auf einen Ort, an dem Handwerkskunst, Geschichte und Leidenschaft für den Wassersport zusammentreffen: die Bootswerft Rambeck. Seit Ende des 19. Jahrhunderts steht der Familienbetrieb für solides Bootsbauhandwerk, technische Expertise und persönlichen Service.

Hier geht es nicht in erster Linie um Liegeplätze – hier steht das Boot im Mittelpunkt. „Wir sind keine Marina im klassischen Sinn, sondern eine echte Werft“, sagt Juniorchef Anton Dreher. Jedes Boot hat seinen eigenen Charakter – und der will gepflegt, gewartet und verstanden werden. Dafür sorgt ein nunmehr 23 Angestellte umfassendes motiviertes Team, von dem ein Großteil in der Werft selbst dieses fast ausgestorbene Handwerk erlernt hat.

Die Geschichte der Werft beginnt 1883, als Anton Rambeck, Bootsbauer aus Leidenschaft, den Betrieb gründet. Schon damals entstehen in aufwändiger Handarbeit edle Holzboote für die Sommerfrische der Münchner Gesellschaft. Mit feinem Gespür für Form und Funktion etabliert sich Rambeck schnell als erste Adresse für Reparaturen, Restaurierungen und Neubauten.

Ab 1899 segelt Konsul Kustermann mit Booten aus der Rambeck-Werft für den Bayerischen Yacht-Club Starnberg bei der Kieler Woche – und gewinnt mit seiner „Rakete I“ zwölf Regatten, darunter fünf erste Plätze. Spätestens da ist der Name Rambeck am See in aller Munde.

Nach den Zerstörungen des Jahres 1945 baut die Familie den Betrieb konsequent wieder auf. Heute führen Vater und Sohn – beide heißen Anton Dreher – die Werft in vierter und fünfter Generation weiter.

Zwei Männer stehen nebeneinander am Steg, hinter ihnen liegen Segelboote mit aufgerichteten Masten.
Starkes Gespann: Anton Dreher jun. und Anton Dreher sen. leiten die Rambeck-Werft und alle angeschlossenen Betriebe.

Investition in die Zukunft des Handwerks

Gerade erst wurde die Werkstatt für einen erheblichen siebenstelligen Betrag von Grund auf erneuert, eine Baumaßnahme, die sich samt Planung über ein halbes Jahrzehnt hinzog und von allen Dreher-Generationen vorangetrieben wurde. Eine mutige Investition in die Zukunft, die gleichsam die Aufrechterhaltung der Arbeitsplätze langjährig sichert – denn die reine Bootsplatzvermietung kann gewiss nicht diese gemeinsame Zukunft als Team darstellen. Auf modernstem technischem Stand werden hier Holz-, Kunststoff- und Elektroboote gewartet, repariert und veredelt. „Wir sehen uns als Partner unserer Kunden und ihrer Boote“, sagt Anton Dreher Senior. „Ein Boot ist kein Auto, das man einfach parkt. Es lebt – und braucht ständige Pflege und Aufmerksamkeit.“ Dieses Bewusstsein prägt den Alltag in der Werft. Ob klassisches Holzboot, moderne Segelyacht oder innovatives Elektroboot – jedes Projekt wird mit dem gleichen Anspruch an Qualität und Präzision betreut. Dies kann das Rambeck-Serviceteam aus einer Hand gewährleisten.

Im Neuboot-Vertrieb arbeitet Rambeck seit über 40 Jahren mit der österreichischen Bootswerft Frauscher zusammen, seit Kurzem auch mit dem ungarischen Anbieter Stickl. Die Auswahl der Partner erfolgt mit Bedacht – Qualität, Langlebigkeit und Werteverständnis müssen passen. Dass das funktioniert, zeigen die langfristigen Beziehungen zu Kunden wie zu Herstellern.

Damit im Betrieb jederzeit ein reibungsloser Ablauf gewährleistet wird, war für Anton Dreher von Anfang an klar, dass auch sein Sohn alle den Betrieb betreffenden Aufgaben abdecken können muss. Dass dieses System funktioniert, bestätigen beide unisono. „Ich arbeite sehr gern mit meinem Sohn zusammen – und er, so habe ich gehört, auch mit mir“, sagt Dreher Senior mit einem Schmunzeln.

Schon als kleines Kind geisterten sowohl Vater als auch Sohn in den Werfthallen umher und wurden von Familie und Angestellten in das Handwerk eingeführt. Eine Leidenschaft, die ihnen nie abhandengekommen ist.

Das Herz schlägt in der Werkstatt

Dicht belegtes Hafenbecken mit abgedeckten Segel- und Motorbooten, davor eine Liegewiese unter alten Bäumen.
Full House: Der Hafen der Rambeck Werft ist bis auf den letzten Platz belegt, die Warteliste lang.

Zwar verfügt das Gelände über rund 300 Liegeplätze im Wasser und 150 Stellplätze an Land, doch diese sind vor allem eines: Teil des ganzheitlichen Services. Wartung, Instandhaltung, technische Betreuung und Winterlagerung sind eng verzahnt – das Boot bleibt in Bewegung, auch wenn es ruht. Ein Tankservice, ein Zubehör-Shop und Gastronomie ergänzen das Angebot. Viele Kunden schätzen den familiären Umgang, die handwerkliche Sorgfalt und die Tradition, die hier in jedem Detail spürbar ist.

Das Geheimnis der Werft Rambeck liegt in der Verbindung aus Handwerk, Erfahrung und echter Leidenschaft. Denn wer weiß, dass ein Boot kein Parkplatz, sondern ein Stück Lebensgefühl ist, versteht, warum die Rambeck Werft seit über 140 Jahren segelt – und nicht steht.

Das Geheimnis der Werft Rambeck liegt in der Verbindung aus Handwerk, Erfahrung und echter Leidenschaft.

1.300 Stunden für einen Klassiker

Auf dem Werftgelände stehen abgedeckte Jollen und Yachten an Land, dahinter das dunkle Werftgebäude am Seeufer.
Familien-Saga: Ernst Sattler und sein Sohn Michael leiten die Sattler-Werft. Am Starnberger See sind die Sattlers seit 1501 ansässig.

Neben der Bootswerft Rambeck gibt es am Starnberger See, liebevoll die „Badewanne Münchens“ genannt, natürlich noch weitere Werften, die alle ihre ganz eigene Identität besitzen. Die Wurzeln der Familie Sattler am Starnberger See reichen etwa bis ins Jahr 1501 zurück. 1922 gründet Josef Sattler die Sattler Werft: Mit großem Engagement und in aufwändiger Handarbeit entstehen der erste Werfthafen sowie das Werftgebäude. Schon bald sind Sattlers selbst gebaute Rennjollen bis in die Schweiz und nach Österreich bekannt. Heute wird die Werft in Starnberg mittlerweile in der dritten Generation geführt: Ernst Sattler und sein Sohn Michael leiten das Unternehmen. Neben dem Verkauf von Yachten und Elektrobooten werden auch Liegeplatzvermietungen sowie umfassende Serviceleistungen angeboten.

Ein Bootsbauer arbeitet in der Halle an einem aufgebockten Holzmotorboot, dessen Rumpf blank geschliffen ist.
Restaurierung eines Motorboot-Klassikers

Noch zwei Jahre früher als die Sattler-Werft wird die Bootswerft Simmerding gegründet. Ihren Sitz hat sie an der Starnberger Seepromenade vor dem ehemaligen Wellenbad UNDOSA. Zu diesen goldenen Zeiten besitzt die Werft rund 75 Angestellte und baut Holzyachten und Motorboote, auch eine private Linienschifffahrt wird betrieben. Seit der Jahrtausendwende entwickelt sich die Werft immer mehr zum Spezialisten für historische Segelyachten und Holzmotorboote. So werden Motorbootklassiker wie Faul Swiss Craft, Boesch Cabrio, Arcangeli Super Jolly oder San Marco California restauriert, umgebaut und teilweise auch mit hochmodernen Elektroantrieben mit bis zu 50 kW ausgestattet. „Die Lithium-Ionen-Technologie erlaubt es mittlerweile, Elektro-Motorboote zu bauen, die in Leistung und Reichweite den Verbrennungsmotoren durchaus ebenbürtig sind“, so Ernst Simmerding, der heutige Eigentümer in dritter Generation. Ein besonderes Highlight stellt das Rivello 7.5 dar, ein nach individuellen Kundenwünschen realisierter Traum eines klassischen Holzmotorbootes. So fertigt das derzeit 7-köpfige Team in mehr als 1.300 Arbeitsstunden unter Verwendung hochwertigster Materialien jedes Jahr nur ein bis zwei neue Exemplare.

So fertigt das derzeit 7-köpfige Team in mehr als 1.300 Arbeitsstunden unter Verwendung hochwertigster Materialien jedes Jahr nur ein bis zwei neue Exemplare.

Meisterhafte Drachen und Panorama-Fahrten

Historische Sepia-Aufnahme eines Mannes mit Schirmmütze und Schnurrbart, der eine Zigarre in der Hand hält.
Fritz Simmerding, Gründer der Bootswerft Simmerding
Rot lackierte Segelyacht mit geborgenem Segel liegt auf dem ruhigen See, dahinter ein bewaldetes Ufer.
Global Player: Die Bootswerft Markus Glas baut für Kunden aus aller Welt. Eine Spezialität sind indes die maßgeschneiderten Boote für die bayerischen Binnenreviere.

Seit der Gründung im Jahr 1924 baut und repariert die Bootswerft Markus Glas erfolgreich Boote für Kunden aus der ganzen Welt. Die Erfolge bei Regatten – Weltmeister, Europameister, Deutscher Meister – legten den Grundstein für den Verkauf von mehr als 200 Drachen. Aber nicht nur für Regattaklassen, wie den Drachen oder den 45er nationalen Kreuzer, sondern auch für den Freizeitbereich fertigt die Werft innovative Yachten, die am Puls der Zeit schwimmen. Maßgeschneidert auf die bayerischen Binnenreviere, wird vor allem das L95 und L95CR zu einem der beliebtesten Produkte der Werft, und es entsteht eine belebte Regattaszene, die unter anderem den L95 Grand Slam aussegelt.

Seit über 30 Jahren ist auch die Bootswerft Stephan Fischer am Starnberger See bekannt, die an der Seepromenade in Bernried liegt. Vornehmlich wird für die Hafenlieger der Marina Bernried gearbeitet, aber selbstredend auch für externe Kundschaft. Als Meisterbetrieb mit 35 Jahren Berufserfahrung erledigt die Werft alle Arbeiten rund ums Boot. Reparaturen in faserverstärktem Kunststoff, Holz, Kompositbauweise oder Metall werden von Fischers Team angeboten, genauso werden die Maße für neue Persenninge genommen oder maßgefertigte Festmacher mit Rückdämpfern und sonstige Spleißarbeiten produziert – eine kleine feine Adresse in bester Lage.

Wer indes gemütlich und in professionellen Händen unterwegs sein möchte, kauft ein Ticket der Bayerischen Seenschifffahrt GmbH. An Bord der Starnberger Dampfer können Passagiere über die großzügigen Decks schlendern, auf einen Aussichtsturm steigen oder einfach nur auf einem Liegestuhl die frische Brise, den Wind und die Wellen genießen.

Der Starnberger See bietet, ganz gleich ob auf eigenem oder fremdem Kiel, eine herrliche Auszeit mit Alpenpanorama. Und wenn es an Bord einmal haken oder klemmen sollte, ist durch die zahlreichen exzellenten Werften schnelle Hilfe nicht weit.

Die Perspektive von RIEDEL

Das Nordufer, das der Beitrag als vielleicht angesagtesten Teil des Starnberger Sees beschreibt, gehört zugleich zu den gefragtesten Wohnlagen der Region. Wer hier ein Haus oder eine Villa sucht, fragt fast immer auch nach dem Liegeplatz – und die Werften des Sees zeigen, wie eng Wohnen und Wassersport hier zusammengehören. Als Makler mit eigenem Standort am See begleiten wir Eigentümer und Käufer rund um Starnberg.

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